Prüfung
16. April 2015

IAASB:
Überarbeiteter ISA 720 The Auditor’s Responsibilities Relating to Other Information veröffentlicht

Das International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) hat am 8. April 2015 nach mehrjähriger Überarbeitungsphase und zwei Entwürfen den finalen Standard zur Verantwortlichkeit des Abschlussprüfers in Bezug auf andere Informationen, die zusammen mit dem Jahresabschluss veröffentlicht werden, herausgegeben.

Der überarbeitete Standard soll die Glaubwürdigkeit von Jahresabschlüssen durch die Präzisierung der Verantwortlichkeit des Abschlussprüfers in Bezug auf andere Informationen verbessern.

Das IAASB definiert die anderen Informationen („other information“) als finanzielle und nicht-finanzielle Informationen, die nicht Bestandteil des Jahresabschlusses sind, aber zusammen mit diesem veröffentlicht werden (beispielsweise in einem Geschäftsbericht).

Das IAASB bleibt auch mit seinem geänderten Standard bei dem Konzept, dass diese anderen Informationen nicht in dem Sinne geprüft werden müssen, dass eine hinreichende Prüfungssicherheit erzielt wird. Der Abschlussprüfer soll die anderen Informationen lesen und dabei feststellen, ob Abweichungen zu den Angaben im Jahresabschluss und zu seinen Erkenntnissen aus der Jahresabschlussprüfung bestehen.

Im Bestätigungsvermerk hat der Abschlussprüfer in einem separaten Abschnitt im Wesentlichen folgende Angaben zu machen:

  • Aussage zur Verantwortlichkeit der Geschäftsführung in Bezug auf diese anderen Informationen,
  • Benennung dieser anderen Informationen,
  • Aussage, dass sich das Prüfungsurteil nicht auf die anderen Informationen bezieht und somit diesbezüglich keine Prüfungssicherheit erzielt wurde,
  • Beschreibung der Verantwortlichkeit des Abschlussprüfers,
  • sofern der Abschlussprüfer die anderen Informationen noch vor Abgabe des Prüfungsurteils erhalten hat: entweder Aussage, dass nichts zu berichten ist, oder Beschreibung der festgestellten Falschdarstellung.

Der überarbeitete International Standard on Auditing (ISA) ist, sofern er direkt verwendet wird, für Prüfungen von Jahresabschlüssen für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 15. Dezember 2016 enden.

In Deutschland sind die ISA bei der Durchführung von Abschlussprüfungen jedoch erst nach Übernahme durch die EU-Kommission per Komitologieverfahren verpflichtend anzuwenden (vgl. § 317 Abs. 5 HGB). Vor diesem Hintergrund kann sich der tatsächliche Erstanwendungszeitpunkt der genannten Standards verschieben.

Allerdings wird der bisher bekannte „deutsche“ Bestätigungsvermerk bereits durch die EU-Abschlussprüferrichtlinie (dort Art. 28) sowie durch die EU-Abschlussprüferverordnung (dort Art. 10) umfangreiche Änderungen erfahren. Die EU-Regelungen sind bis zum 17. Juni 2016 umzusetzen (Richtlinie) oder entwickeln ab dann unmittelbare Geltung (Verordnung).

Weitergehende Informationen stehen auf der Internetseite des IAASB zur Verfügung.

zi