WPK
1. Juli 2021

Informationsveranstaltung des Beirates der WPK am 11. Juni 2021 und Abstimmungen im schriftlichen Verfahren

Die besonderen Umstände der Corona-Pandemie veranlassten Beiratsvorsitzer Dr. Marian Ellerich, erneut nicht zu einer Sitzung des Beirates einzuladen, sondern ein schriftliches Beschlussverfahren durchzuführen. Begleitend hierzu fand am 11. Juni 2021 eine Informationsveranstaltung in Form einer Videokonferenz statt. Diese sollte allen Beiratsmitgliedern zur Vorbereitung der Abstimmung möglichst denselben Informationsstand geben, den sie auch im Falle einer Sitzung gehabt hätten.

Auf Wunsch der Beiratsmitglieder der Gschrei- und Eschbach-Listen wurden zusätzliche Beschlussvorschläge in das schriftliche Beschlussverfahren aufgenommen. Der Beschlussvorschlag zur Ergänzung der Wahlordnung fand jedoch keine Berücksichtigung im schriftlichen Beschlussverfahren, da rechtliche Gründe dem entgegenstanden (zwingende vorherige Anhörung der Mitglieder, keine Änderung des Satzungsrechts der WPK durch Abstimmungen im schriftlichen Verfahren zulässig). Der Vorstand der WPK wird diesen Vorschlag daher zunächst in seiner Klausurtagung im August 2021 beraten.

Bericht des Vorstandes der WPK

Präsident Gerhard Ziegler berichtete über die wesentlichen Entwicklungen seit der letzten Informationsveranstaltung am 4. Dezember 2020 („Neu auf WPK.de“ vom 11. Dezember 2020).

Er informierte zunächst über die Arbeit der WPK unter Corona-Bedingungen, die reibungslos weiterlaufen konnte.

Ziegler berichtete sodann ausführlich zum mittlerweile erlassenen Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetz – FISG („Neu auf WPK.de“ vom 8. Juni 2021 zu den Neuerungen). Er betonte, dass das FISG eine besondere Herausforderung darstellt und den Berufsstand stark bewegen wird. Insbesondere die Verschärfung der Haftung des Abschlussprüfers durch

  • die Erhöhung der Haftungssummen,
  • die Verschärfung des Verschuldensmaßstabes bei Abschlussprüfungen (Haftung nicht nur bei Vorsatz, sondern auch bei grober Fahrlässigkeit) und
  • die Verschiebung des Maßstabes für die Zurechnung des Verschuldens Dritter

wird nach seiner Einschätzung, und der des Vorstandes der WPK, größere Auswirkungen für kleine und mittelständische Abschlussprüfer haben. Es wird zu einer weiteren Konzentration im Bereich der gesetzlichen Abschlussprüfer, insbesondere bei der Abschlussprüfung von Unternehmen von öffentlichem Interesse kommen.

Positiv bewertete er, dass die Mindestversicherungssumme für die Berufshaftpflicht-versicherung vom HGB entkoppelt und nun in der WPO verankert werden konnte. Der Betrag liegt unverändert bei 1 Mio. Euro. Dies sei ein großer Erfolg der WPK.

Der Vorstand hat sich wiederholt mit dem Thema Umsetzung der Qualitätsmanagement-standards ISQM 1 und ISQM 2 sowie ISA 220 rev. auseinandergesetzt. Der Vorstand beschloss eine Verschiebung des Inkrafttretens auf den 15. Dezember 2023, um die Regelungen qualitätsbewusst in deutsches Recht umsetzen zu können. Die Beratungen sollen im Rahmen der Klausurtagung des Vorstandes im August 2021 fortgesetzt werden.

Des Weiteren berichtete Präsident Ziegler zum Richtlinienvorschlag der EU-Kommission zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen. Die WPK hat zu den Regulierungsvorschlägen Stellung genommen („Neu auf WPK.de“ vom 4. Juni 2021). Die Vorschläge der EU-Kommission werden von der WPK in jedem Fall als überarbeitungsbedürftig eingeschätzt. Kritisch sieht die WPK zum Beispiel den Umsetzungszeitraum, der die Anwendung der Neuregelungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ab dem Geschäftsjahr 2023 vorsieht, obwohl die finale Richtlinie erst im Juni 2022 verabschiedet werden soll. Zum einen bliebe den Mitgliedstaaten damit nur ein Zeitraum von sechs Monaten für die Umsetzung. Zum anderen hätten die rund 15.000 in Deutschland betroffenen Unternehmen, viele davon erstmalig mit der Thematik konfrontiert, nur zwei Monate, um sich mit den komplexen neuen Anforderungen auseinanderzusetzen.

Die WPK will sich auch dafür einsetzen, dass das vorgesehene Mitgliedstaatenwahlrecht, wonach auch „unabhängige Prüfungsdienstleister“, wie zum Beispiel der TÜV oder die DEKRA, die Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung vornehmen dürfen, in Deutschland nicht ausgeübt wird. Unabhängig davon werden sich weitere wesentliche Änderungen für den Berufsstand und die Mandanten ergeben.

Ziegler nahm auch erneut Stellung zum „Fall Wirecard“ und zu dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Er stellte klar, dass Sitzungen des Untersuchungsausschusses unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden haben. Protokolle dieser Sitzungen sind nicht öffentlich zugänglich. Die Würdigung des „Falls Wirecard“ obliegt den Parlamentariern des Untersuchungsausschusses, nicht der WPK. Mögliche Konsequenzen, die sich daraus ergeben könnten, fallen in die Zuständigkeit der APAS, nicht der WPK.

Schließlich nahm er auf Wunsch der Beiratsmitglieder der Gschrei- und Eschbach-Listen Stellung zum Schreiben des BMWi vom 9. März 2021 zur Qualitätskontrolle („Neu auf WPK.de“ vom 1. April 2021). Das BMWi war vom Verband wp.net e.V. gefragt worden, ob nach Ansicht der Rechtsaufsicht die WPK beziehungsweise die Kommission für Qualitätskontrolle die Satzung für Qualitätskontrolle im Hinblick auf die Auftragsauswahl bei der Qualitätskontrolle rechtswidrig auslegen würde. Das BMWi hatte daraufhin in seinem Schreiben vom 9. März 2021 klargestellt:

„Eine eingehende Prüfung hat keine Anhaltspunkte für ein rechtsfehlerhaftes Verhalten der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) ergeben, so dass seitens der Rechtsaufsicht kein Einschreiten erforderlich ist.“

Die Beiratsmitglieder der Gschrei- und Eschbach-Listen hatten dem Beirat vorgeschlagen, dass er den Vorstand der WPK damit beauftragt, ein Rechtsgutachten zur Überprüfung der Rechtsauslegung der Rechtsaufsicht der WPK einzuholen. Der Vorstand der WPK empfiehlt dem Beirat, von der Einholung eines Rechtsgutachtens gegen die eigene Rechtsaufsicht abzusehen. Der Beschlussvorschlag der Beiratsmitglieder der Gschrei- und Eschbach-Listen wurde unter den Beiratsmitgliedern intensiv erörtert. Das schriftliche Beschlussverfahren zu diesem Beschlussvorschlag wurde auf Wunsch der Gschrei- und Eschbach-Listen im Anschluss an die Informationsveranstaltung des Beirates erneut angestoßen, um eine vollständig geheime Abstimmung im schriftlichen Verfahren zu gewährleisten. Die Rückäußerungsfrist hierzu läuft noch bis in den Juli hinein.

Jahresabschluss 2020 der WPK und Bestellung des Abschlussprüfers der WPK für 2021

Im schriftlichen Verfahren genehmigte der Beirat den Jahresabschluss und Lagebericht für das Wirtschaftsjahr 2020 der WPK („Neu auf WPK.de“ vom 1. Juli 2021). Die NPP Niethammer, Posewang & Partner GmbH WPG StBG aus Hamburg wurde als Abschlussprüfer der WPK für das Wirtschaftsjahr 2021 wiedergewählt.

Nachberufung eines Mitgliedes der unabhängigen Wahlkommission

Der Beirat stimmte mehrheitlich der nachträglichen Berufung von Herrn vBP Andreas Hunecke, Warstein, als Mitglied der unabhängigen Wahlkommission für die Beiratswahl 2022 zu („Neu auf WPK.de“ vom 29. Juni 2021). Die Nachberufung war erforderlich geworden, da ein Mitglied aufgrund seines Verzichts auf die Bestellung als vereidigter Buchprüfer aus der unabhängigen Wahlkommission ausgeschieden war.

Weitere Beratungsthemen

Der Beirat hat die Richtlinien für die Aufwandsentschädigung im Prüfungsverfahren für Wirtschaftsprüfer sowie die Richtlinien für die Aufwandsentschädigung und Erstattung von Reisekosten und Auslagen des Berufsbildungsausschusses und der Prüfungsausschüsse im Prüfungsverfahren zum Fachwirt für Prüfungswesen (WPK) angepasst. Die derzeit geltenden Sätze galten seit dem Jahr 2008 unverändert.

Der Vorsitzende der Kommission für Qualitätskontrolle WP/StB/RA Prof. Dr. Jens Poll präsentierte im Rahmen der Informationsveranstaltung den Tätigkeitsbericht der Kommission für Qualitätskontrolle für 2020 („Neu auf WPK.de“ vom 21. Juni 2021) und stellte sich den Fragen der Beiratsmitglieder. In diesem Zusammenhang erläuterte er auch ausführlich das risikoorientierte Vorgehen des Prüfers für Qualitätskontrolle bei der Planung und Durchführung der Auftragsprüfung, um den dazu teilweise vorherrschenden Missverständnissen zu begegnen.

Der Beirat möchte sich in einer kommenden Präsenzsitzung mit Möglichkeiten beschäftigen, Beschlüsse und Wahlen in anderen Formaten zu fassen beziehungsweise durchzuführen (beispielsweise hybride Sitzungsformate oder komplette Onlinesitzungen mit elektronischer Abstimmung). Vor- und Nachteile sind dann gründlich abzuwägen.

Der Beirat stimmte mehrheitlich dafür, dass der Vorstand der WPK eine Liste aller derzeit veröffentlichten ISA-Regelungen mit Angabe des Anwendungszeitpunkts sowie Status der Übersetzung durch das IDW zur Verfügung stellt. Diese aktuell zu haltende Liste soll auf der Internetseite der WPK bekanntgegeben werden.

Als nächster Sitzungstermin für den Beirat ist der 3. Dezember 2021 vorgesehen. Unter dem Vorbehalt der Pandemieentwicklung ist er als Präsenzsitzung geplant.

ge/bm

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