WPK
11. Dezember 2020

Informationsveranstaltung des Beirates der WPK nebst Abstimmung im schriftlichen Verfahren

Die besonderen Umstände der Corona-Pandemie veranlassten Beiratsvorsitzer Dr. Marian Ellerich, auch im Herbst nicht zu einer Sitzung des Beirates einzuladen, sondern ein schriftliches Beschlussverfahren durchzuführen. Begleitend hierzu fand am 4. Dezember 2020 eine Informationsveranstaltung in Form einer Videokonferenz statt. Diese sollte allen Beiratsmitgliedern zur Vorbereitung der Abstimmung möglichst denselben Informationsstand geben, den sie auch im Falle einer Sitzung gehabt hätten.

Bericht des Vorstandes der WPK

Präsident Gerhard Ziegler berichtete über die wesentlichen Entwicklungen seit der letzten Informationsveranstaltung am 19. Juni 2020.

Er informierte zunächst über die Arbeit der WPK unter Corona-Bedingungen.

Zur allgemeinen Fortbildungspflicht hatte der Vorstand eine Verlautbarung veröffentlicht, dass mangels eines größeren Angebots IT-gestützter Fortbildungsmaßnahmen, bei denen der Nachweis der Teilnahmedauer geführt werden kann, es nicht zu beanstanden ist, wenn die strukturierte Fortbildung von 20 Stunden im Jahr 2020 auch ohne den Nachweis der Dauer der Teilnahme auf einem ausreichend hohen Stand gehalten wird.

Die Kommission für Qualitätskontrolle hatte darüber informiert, dass die spezielle Fortbildung für Prüfer für Qualitätskontrolle auch als Webinare/Videokonferenzen anerkannt werden können (mit Angaben zu den Anforderungen).

Die Landesgeschäftsstellen haben zusammen mit der Prüfungsstelle in Berlin das Wirtschaftsprüfungsexamen bislang reibungslos unter Corona-Bedingungen mit Hygiene-konzept und allen erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen durchgeführt.

Des Weiteren berichtete Herr Ziegler, dass die Stiftung „Zentrale Stelle Verpackungsregister“ den Entwurf der aktualisierten „Prüfleitlinien Vollständigkeitserklärungen“ für das Bezugsjahr 2020 vorgelegt hatte. WPK und BStBK hatten dazu gemeinsam bereits am 3. September 2019 sowie bekräftigend am 14. Oktober 2020 Stellung genommen. WPK und BStBK kritisierten insbesondere die sich darin abzeichnende Tendenz, dem Prüfer inhaltliche Vorgaben zur Prüfung zu machen, die über die bloße Wiedergabe des Verpackungsgesetzes hinausgehen.

Auch zum Gesetz zur Verbesserung der strafrechtlichen Bekämpfung der Geldwäsche hat die WPK Stellung genommen.

Kritisch sieht die WPK, dass der Vortatenkatalog des § 261 Strafgesetzbuch entfallen und damit künftig alle Straftaten mögliche Vortaten der Geldwäsche sein sollen. Die EU-Richtlinie sieht lediglich eine Erweiterung des derzeitigen Vortatenkatalogs vor, nicht jedoch eine vollständige Streichung des Vortatenkatalogs. Wäre jede Straftat mögliche Vortat einer Geldwäsche, würde dies zu einer unübersichtlichen Ausuferung des Geldwäschetatbestands führen. Auch hätte dies mittelbar zur Folge, dass WP/vBP möglicherweise zahlreiche Verdachtsmeldungen abgeben müssten. Dies würde zu einer weiteren Aushöhlung der gesetzlich geregelten Verschwiegenheitspflicht von WP/vBP führen und das Mandatsverhältnis unnötig belasten.

Herr Ziegler berichtete dann über die Bekämpfung der Geldwäsche 2020 und gab einen Ausblick für das Jahr 2021.

Die WPK unterstützt ihre Mitglieder bei der Erfüllung ihrer geldwäscherechtlichen Pflichten. Daher wurden die Auslegungs- und Anwendungshinweise zum Geldwäschegesetz nebst Kurzdarstellung der Pflichtenlage aktualisiert. Überdies bietet die WPK eine Mitarbeiterschulung zum Thema „Die Erfüllung der geldwäscherechtlichen Pflichten“ in Form einer PowerPoint-Präsentation nebst Wissenstest an, die im internen Bereich der WPK-Internetseite veröffentlicht ist. Die Mitarbeiterschulung kann von den Mitgliedern zur internen Schulung ihrer Mitarbeiter genutzt werden.

Im Jahr 2021 wird die WPK ihre Aufsichtsaktivitäten weiter fortführen. Der Fragebogen soll im Jahr 2021 an 1,5 % aller am Markt tätigen WP/vBP-Praxen (Einzelpraxen, Berufsgesellschaften, Partnerschaften und Sozietäten) sowie an eine Big Four- und eine Next Twenty-Gesellschaft versendet werden.

Die Modularisierung des Wirtschaftsprüfungsexamens wird gut angenommen. Auch in Sachen Digitalisierung des Wirtschaftsprüfungsexamens geht die WPK voran. Möglichst ab Frühjahr 2022 sollen die Aufsichtsarbeiten IT-gestützt und damit vollständig oder teilweise auf Notebooks gefertigt werden können.

Das beschlossene und vom Beirat mitgetragene Kapitalanlagekonzept (Konzept zur Anlage der Deckungsvermögensmittel in ETF-Wertpapieren) werde weiter umgesetzt. Die letzte Tranche werde im Dezember platziert. Derzeit zeige das Konzept Wertzuwächse.

Auch die „Digitalisierung in der WPK“ als Service für Mitglieder wird weiter ausgebaut. Mitglieder können ihre freiwilligen Mitgliederdaten und ausgewählte andere Daten selbst über den internen Mitgliederbereich „Meine WPK“ online pflegen. Seit August 2020 stehen auch erweiterte Anmeldemöglichkeiten zur Verfügung. Der Digitalisierungskompass (WPK)® wurde im Juni 2020 um eine Softwareübersicht für die Steuerberatung erweitert. Im neuen Jahr wird der Digitalisierungs-Checkup zur Verfügung stehen.

Die Beiratswahl 2022 wirft ihre Schatten voraus. Am 6. November 2020 fand die konstituierende Sitzung der unabhängigen Wahlkommission (uWK) statt. Zum Vorsitzenden Wahlleiter und seinem Stellvertreter wurden WP Dieter Gahlen, Berlin, und vBP/StB Peter Hassel, Wertingen, gewählt. Die uWK sieht ihre Aufgabe wie in der Vergangenheit auch darin, ein rechtssicheres und kostengünstiges Wahlverfahren zu gewährleisten.

Aktuelle berufspolitische Entwicklungen

Herr Ziegler berichtete sodann ausführlich zum Entwurf des Finanzmarktintegritätsstärkungsgesetzes (FISG).

Die Entwicklungen im Fall Wirecard haben zu schnellen und vor allem sehr weitreichenden Reaktionen der Politik geführt. Anfang Oktober stellten Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundesjustizministerin Christine Lambrecht den „Aktionsplan der Bundesregierung zur Bekämpfung von Bilanzbetrug und zur Stärkung der Kontrolle über Kapital- und Finanzmärkte“ vor. Der auf diesen Plan zurückgehende Referentenentwurf des FISG wurde am 23. Oktober 2020 in die Verbändeanhörung gegeben. Die WPK hat ihre Standpunkte in einer Presseverlautbarung skizziert.

In der Kritik der WPK stehen vor allem die Regelungen, die eine verschärfte Haftung des Abschlussprüfers vorsehen:

  • Erhöhung der Haftungssummen bei Abschlussprüfungen (Erhöhung der Haftungssumme von 1 Mio. Euro auf 2 Mio. Euro im Non-Public-Interest-Entity-(PIE-)Bereich, im PIE-Bereich von 4 Mio. Euro auf 20 Mio. Euro)
  • Verschärfung des Verschuldensmaßstabes bei Abschlussprüfungen (Haftung nicht nur bei vorsätzlichen, sondern auch grob fahrlässigem Handeln)
  • Erstreckung der erhöhten Haftungssumme auf alle PIE-Prüfungen (nicht mehr nur auf börsennotierte Unternehmen, also auch kleine PIE-Unternehmen)
  • Verdoppelung der Mindestversicherungssumme (Erhöhung der Haftungssumme von 1 Mio. Euro auf 2 Mio. Euro im Non-Public-Interest-Entity-(PIE) Bereich in § 323 Abs. 2 Satz 1 HGB
  • Verdoppelung der Deckungssummen für Haftungsbeschränkungen
  • Verschiebung des Maßstabes für die Zurechnung des Verschuldens Dritter
  • Gefahr der Dritthaftung über Verschärfung der strafrechtlichen Regelungen

In Summe würden diese Verschärfungen zu einer weiteren Konzentration im Bereich der gesetzlichen Abschlussprüfer führen. Kleine und mittelständische Prüferpraxen würden sich von der gesetzlichen Abschlussprüfung verabschieden. Die Attraktivität des Berufsbilds würde massiv leiden und Berufsnachwuchs würde noch schwerer zu finden sein.

Des Weiteren wurden aus der Mitte des Beirates Fragen zur Qualitätskontrolle gestellt. Hier ging es beispielsweise um die Gestaltung der Stichprobe in großen und kleinen Einheiten und der Frage, wann und wie ein Prüfer für Qualitätskontrolle sich auf die Ergebnisse der Nachschau stützen kann. Hierzu stand der Vorsitzende der Kommission für Qualitätskontrolle, Prof. Dr. Jens Poll, den Mitgliedern des Beirates Rede und Antwort.

Die Auftragsprüfung in der Qualitätskontrolle ist entgegen anderslautenden Meldungen nicht „abgeschafft“

Hierbei stellt er auch klar, dass, entgegen anderslautenden Meldungen aus dem Berufsstand, der Prüfer für Qualitätskontrolle bei der Prüfung der Auftragsabwicklung unverändert auch Prüfungen einzubeziehen hat, die zuvor nicht Gegenstand der Auftragsnachschau waren. Eine ausschließliche Einbeziehung von Prüfungen, die zuvor Gegenstand einer wirksamen Auftragsnachschau waren, ist nicht sachgerecht.

Wirtschaftsplan 2021 und Änderung der Gebührenordnung

Die Gebührenordnung der WPK soll angepasst werden. Vorgesehen war eine Erhöhung der jeweils seit 2004 unverändert gebliebenen Bestellungs- und der Anerkennungsgebühr. Wegen vom BMWi geäußerter europarechtlicher Bedenken wurde die Erhöhung der Anerkennungsgebühr zurückgestellt. Zur Abstimmung im schriftlichen Verfahren wurde daher lediglich die Erhöhung der Bestellungsgebühr gestellt (Erhöhung von 230 auf 500 Euro). Diese wurde im schriftlichen Verfahren auch beschlossen.

Des Weiteren wurde der vom Vorstand aufgestellte, vom Haushaltsausschuss erörterte und analysierte Wirtschaftsplan für das Jahr 2021 vorgestellt. Auch er wurde im schriftlichen Verfahren beschlossen.

Ausblick 2021

Als Sitzungstermine für den Beirat sind der 11. Juni und der 3. Dezember 2021 vorgesehen. In welcher Form diese stattfinden können, hängt von der weiteren pandemischen Entwicklung ab.

ge/jo

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