WPK
21. August 2020

Bericht über die Vorstandssitzung der WPK am 13./14. August 2020

Der Vorstand der WPK informiert regelmäßig über seine Tätigkeit. Im Folgenden sind Informationen zu den wichtigsten Beratungsergebnissen aus der Sitzung am 13./14. August 2020 zusammengefasst.

Gedankenaustausch zu aktuellen berufspolitischen Themen

Der Vorstand hat die aktuelle Diskussion zum Fall „Wirecard“ erörtert und sich auf eine gemeinsame berufspolitische Linie geeinigt. Aus Sicht des Vorstandes ist entscheidend, keinen fehleranfälligen regulatorischen Schnellschuss vorzunehmen. Die gilt gerade auch für die berufsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Abschlussprüfung bei Unternehmen von öffentlichem Interesse, die erst im Jahr 2016 europaweit reformiert wurden.

Die Vorschläge der WPK richten sich im Interesse der Öffentlichkeit auf die Stärkung der Abschlussprüfung und der Aufsicht:

  • Abschlussprüfer von Unternehmen von öffentlichem Interesse sollten sich bei einem berechtigten Interesse gegenüber Behörden, anderen Dritten oder der Öffentlichkeit (Presse) äußern und verteidigen können (insoweit Aufhebung der beruflichen Verschwiegenheit).
  • Bisher gibt es in Deutschland keine Anlaufstelle für Abschlussprüfer von Unternehmen von öffentlichem Interesse für den Fall, dass die Abschlussprüfer Mitteilungen beispielsweise zu wesentlichen Rechtsverstößen, Gefährdungen oder im Fall der Verweigerung/Einschränkung/Versagung eines Bestätigungsvermerks machen wollen. Deshalb sollte der deutsche Gesetzgeber die für solche Fälle nach Art. 7 und 12 Verordnung (EU) 537/2014 vorgesehenen zuständigen Behörden benennen.
  • Abschlussprüferaufsichtsstelle (APAS) und WPK sollten die Möglichkeit erhalten, bei öffentlichem Interesse über die Einleitung berufsaufsichtlicher Verfahren sowie über rechtskräftige berufsaufsichtliche Maßnahmen berichten zu können (insoweit Aufhebung der Verschwiegenheit beider Stellen).

Folgende bisher öffentlich diskutierten Reformüberlegungen sieht die WPK kritisch:

  • Nicht ersichtlich ist, wie ein Beratungsverbot zur Aufdeckung eines mit hoher krimineller Energie inszenierten Betrugsfalles beitragen soll. Bei Wirecard spielte die Beratung gemessen an den mit der Abschlussprüfung erzielten Umsatzerlösen keine Rolle.
    Abgesehen davon sind Abschlussprüfer von Unternehmen von öffentlichem Interesse schon nach jetziger Rechtslage weitreichend in ihrer Beratungstätigkeit eingeschränkt (Art. 5 und 4 Abs. 2 Verordnung (EU) 537/2014, § 319a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB). Eine weitere Beschränkung würde auch den Interessen mittelständischer Unternehmen widersprechen.
  • Zweifelhaft ist, ob ein häufigerer Wechsel des Abschlussprüfers (externe Rotation) zur Aufdeckung vergleichbarer Betrugsfälle wie Wirecard beitragen könnte. Als negative Nebenwirkung einer häufigeren externen Rotation wäre eine noch stärkere Marktkonzentration zu erwarten.
  • Auch die Erhöhung der gesetzlichen Haftungsobergrenze würde die bereits vorhandene Marktkonzentration noch einmal erhöhen oder zu einer systemrelevanten Verkleinerung des Prüferpools führen, weil sich viele Praxen aus dem Abschlussprüfungsmarkt zurückziehen würden.

Die WPK wird ihre Vorschläge in die Diskussion einbringen und die Mitglieder dazu noch gesondert informieren.

Wiederbestellung eines Syndikus-StB zum WP sowie Zulässigkeit eines Syndikus-StB als gesetzlicher Vertreter einer WPG

Anlässlich des Antrags eines Syndikus-StB auf Wiederbestellung zum WP beschäftigte sich der Vorstand mit der Frage, ob die Tatsache, dass sowohl RA als auch StB nach ihrem jeweiligen Berufsrecht unter bestimmten Voraussetzungen in einem gewerblichen Anstellungsverhältnis tätig sein dürfen, eine entsprechende Ausstrahlungswirkung auf das Berufsrecht für WP hat. Konsequenz einer solchen Ausstrahlungswirkung wäre, dass das Verbot einer gewerblichen Tätigkeit (§ 43a Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 WPO) insoweit nicht gelten würde. Dies wurde vom Vorstand im Hinblick auf den Grundsatz der Geltung des strengeren Berufsrechts verneint.

Ferner bestand Einvernehmen, dass ein Syndikus-StB oder -RA (de lege lata) auch nicht als gesetzlicher Vertreter einer WPG zugelassen werden kann, da es wegen der gewerblichen Syndikus-Anstellung des StB/RA an der erforderlichen Vereinbarkeit mit dem WP-Beruf fehlt (Grundgedanke des § 28 Abs. 2 Satz 2 WPO, der letztlich auch für Satz 1 gilt).

Für bisher nicht unter diesem Blickwinkel betrachtete „Altfälle“ soll zunächst durch Befragung der betroffenen Mitglieder eine Bestandsaufnahme erfolgen und sodann der konkrete Handlungsbedarf erörtert werden.

IFAC: Erfahrungen aus der Small and Medium Practices Advisory Group (SMPAG)

Im November 2020 steht die Nominierung eines deutschen Nachfolgers des bisherigen Vertreters, WP/StB Klaus Bertram, für das SMPAG an. Zur Vorbereitung eines solchen Nominierungsvorschlags gab Herr Bertram dem Vorstand einen Erfahrungsbericht, zeigte die zukünftigen Perspektiven einer Tätigkeit in der SMPAG auf und erläuterte das sich daraus ergebende Anforderungsprofil für den Kandidaten.

Wirtschaftsprüfungsexamen – Konkretisierung der Prüfungsgebiete (Aktualisierung)

Das IDW und die WPK haben ein gemeinsames Papier zur Konkretisierung der Prüfungsgebiete aktualisiert. Durch die Aktualisierung erhalten die Themen Informationstechnologie, Nachhaltigkeit und Compliance eine größere Bedeutung. Neu enthält das Papier auch Hinweise zur Examensrelevanz der Prüfungsbereiche, die noch mit der Aufgaben- und Widerspruchskommission diskutiert werden sollen. Ziel ist es, eine noch höhere Praxisrelevanz von Examensthemen zu erreichen.

Erbringen von IT-Leistungen durch Wirtschaftsprüfer/vereidigte Buchprüfer (siehe IDW Life 07/2020, S. 600 ff.)

Nach Auffassung des Vorstandes lassen sich auch IT-Leistungen durch WP/vBP problemlos unter den Aufgabenkatalog des § 2 WPO subsumieren. Sie sind daher in diesem Rahmen berufsrechtlich zulässig und sollten auch vom Versicherungsschutz umfasst sein. Hierzu soll eine entsprechende Verlautbarung im WPK Magazin erfolgen.

Kammerversammlung am 7. Mai 2021

Die Kammerversammlung ist für den 7. Mai 2021 vorgesehen. Mit der Kammerversammlung verbunden ist ein Doppeljubiläum – 90 Jahre Berufsstand und 60 Jahre WPK.

Im Hinblick auf die Coronavirus-Pandemie soll noch ein digitales Veranstaltungsformat entwickelt werden, welches wahlweise eine Präsenzteilnahme oder eine Teilnahme per Videokonferenz erlaubt. Der Vorstand wird dazu in seiner Oktobersitzung erneut beraten.

Jahrestreffen der WPK und der Tag der Jubilare sollen im Jahr 2020 wegen der Coronavirus-Pandemie nicht mehr stattfinden.

Vergütungsumfrage

Die WPK startet Mitte September 2020 die zweite Vergütungsumfrage im Berufsstand. Ziel der Umfrage ist, den Praxen erneut eine Vergleichsbasis aus Arbeitgebersicht zu bieten, an der das Gehaltsgefüge in der eigenen Praxis gespiegelt werden kann. Das Projekt wird wieder durch die Statistische Beratungseinheit der Freien Universität Berlin unterstützt.

Alle WP/vBP-Praxen werden von der WPK angeschrieben, parallel dazu erfolgen Informationen im WPK Magazin und auf der Internetseite („Neu auf WPK.de“ vom 20. August 2020).

Die erste Befragung 2017 war ein Erfolg (Ergebnisse WPK Magazin 4/2017, Seite 20 ff.) und wurde seinerzeit auch in der Fachpresse aufgegriffen (FINANCE Magazin und WPg).

Der Vorstand bittet alle WPK-Mitglieder, die Befragung durch ihre Praxen aktiv zu unterstützen und sich rege an der Umfrage zu beteiligen. Die Ergebnisse werden im WPK Magazin, auf der Internetseite und ergänzend im internen Mitgliederbereich (dort auch regionale Ergebnisse) veröffentlicht.

Änderung der Gebührenordnung

Der Vorstand hat beschlossen, dem Beirat vorzuschlagen, ab 1. Januar 2021 die Bestellungsgebühr von 230 Euro auf 500 Euro und die Anerkennungsgebühr für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Buchprüfungsgesellschaften von 1.000 Euro auf 1.500 Euro anzuheben. Grund für die Erhöhung ist, dass diese Gebühren seit vielen Jahren nicht an die allgemeine Kostenentwicklung angepasst wurden.

kr/wo

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