Aufgaben

Berufsaufsicht und Berufsgerichtsbarkeit

Berufsaufsicht
Die Wirtschaftsprüferkammer hat die Erfüllung der den Mitgliedern obliegenden Pflichten zu überwachen und Verstöße zu verfolgen. Im Falle einer Pflichtverletzung mit geringem bis mittelschwerem Schuldvorwurf kann der Vorstand der Wirtschaftsprüferkammer das Verhalten des Mitgliedes gemäß § 63 WPO rügen. Die Rüge kann mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 € verbunden werden. Die Berufsaufsicht unterliegt der öffentlichen fachbezogenen Aufsicht durch die Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK).

Berufsgerichtsbarkeit
Bei schwerwiegenden Verstößen gegen Berufspflichten, die nicht mehr dem Rügerecht unterliegen, wird der Vorgang mit einem Votum des Vorstandes an die Generalstaatsanwaltschaft als zuständige Ermittlungsbehörde zur Einleitung eines berufsgerichtlichen Verfahrens weitergeleitet. Die möglichen berufsrechtlichen Maßnahmen reichen von einer Geldbuße bis 500.000 €, dem Tätigkeitsverbot in bestimmten Berufsbereichen und einem befristeten Berufsverbot bis zur Ausschließung aus dem Beruf. Die Berufsgerichtsbarkeit wird durch besondere Kammern und Senate für Wirtschaftsprüfersachen an den ordentlichen Gerichten ausgeübt: Die erste Instanz bildet die Kammer für Wirtschaftsprüfersachen beim Landgericht Berlin, die zweite Instanz der Senat für Wirtschaftsprüfersachen beim Kammergericht Berlin und die dritte Instanz der Senat für Wirtschaftsprüfersachen beim Bundesgerichtshof. Die Wirtschaftsprüferkammer schlägt gemäß
§ 57 Abs. 2 Nr. 11 WPO ehrenamtliche Beisitzer für die Besetzung der Berufsgerichte vor.

Die WPK veröffentlicht jährlich einen Bericht über die Berufsaufsicht.

Abschlussdurchsicht

Auf der Grundlage des § 57 Abs. 1 WPO sichtet die Wirtschaftsprüferkammer fortlaufend die von ihren Mitgliedern geprüften und im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahres- und Konzernabschlüsse, deren Prüfung zu den Vorbehaltsaufgaben der Berufsangehörigen gehört. Dabei überprüft die Kammer im Wege einer formalen Kontrolle, ob die publizierten Abschlüsse und Bestätigungsvermerke den gesetzlichen Vorschriften und den allgemein anerkannten fachlichen Regeln zur Rechnungslegung und Prüfung entsprechen. Die Durchsicht der Jahres- und Konzernabschlüsse erfolgt stichprobenartig.

Kontrolliert werden außerdem alle bekannt gewordenen Bestätigungsvermerke der Abschlussprüfer. Ebenso überprüft die Wirtschaftsprüferkammer stichprobenweise die bei den Handelsregistern hinterlegten Jahresabschlüsse und die hierzu von Wirtschaftsprüfern, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, vereidigten Buchprüfern oder Buchprüfungsgesellschaften erteilten Bestätigungsvermerke.

Die Wirtschaftsprüferkammer berichtet jährlich über die Ergebnisse der Abschlussdurchsicht.

System der Qualitätskontrolle

Die Wirtschaftsprüferkammer betreibt ein System der Qualitätskontrolle. Es soll sicherstellen, dass die Berufsausübung der Berufsangehörigen einer regelmäßigen, präventiven Kontrolle unterliegt. Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer müssen, sofern sie gesetzliche Abschlussprüfungen durchführen, ihre Praxis alle sechs Jahre bzw. alle drei Jahre, soweit sie § 319a HGB-Mandate prüfen, durch einen unabhängigen Prüfer für Qualitätskontrolle prüfen lassen. Wird dies unterlassen, hat dies zur Folge, dass die Praxis keine Abschlussprüfungen mehr durchführen darf. Das System der Qualitätskontrolle unterliegt der öffentlichen fachbezogenen Aufsicht durch die Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK).

Dabei wird keine zweite Abschlussprüfung der vom Wirtschaftsprüfer/vereidigten Buchprüfer geprüften Unternehmen durchgeführt. Es findet vielmehr eine Überprüfung des internen Qualitätssicherungssystems der jeweiligen Praxis statt, das auf seine Angemessenheit und Funktionsfähigkeit überprüft wird. Es wird auch kontrolliert, ob die Organisation der jeweiligen Praxis eine ordnungsgemäße Abwicklung der Aufträge und die interne Nachschau sicherstellt.

Weitere Informationen sind unter der Rubrik Qualitätskontrolle zusammengestellt. Die Kommission der WPK legt jährlich einen Tätigkeitsbericht vor.

Beratung und Belehrung der Mitglieder

Die Wirtschaftsprüferkammer ist Begleiter ihrer Mitglieder in allen die Berufsausübung betreffenden Fragen. Zu Fragen der Berufsausübung, wie beispielsweise Versicherungsfragen, Fragen der Zusammenarbeit mit anderen Freien Berufen sowie Fragen im Zusammenhang mit den Berufsgrundsätzen, äußert sich der Vorstand der Kammer regelmäßig.

Die Wirtschaftsprüferkammer berät ihre Mitglieder auch bei der Gründung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bzw. Buchprüfungsgesellschaft, insbesondere bezüglich des Verfahrens auf Anerkennung. Die Wirtschaftsprüferkammer stellt hierzu Antragsformulare, Merkblätter und Muster zur Verfügung.

Vermittlung bei Streitigkeiten

Auf Antrag der Betroffenen vermittelt die Wirtschaftsprüferkammer sowohl bei Streitigkeiten zwischen Mitgliedern untereinander als auch bei Problemen mit ihren Auftraggebern.

Berufshaftpflichtversicherung

Im Rahmen der Berufsaufsicht überprüft die Wirtschaftsprüferkammer als zuständige Stelle im Sinne des § 158 c Abs. 2 VVG das Bestehen und die Aufrechterhaltung eines lückenlosen Berufshaftpflichtversicherungsschutzes, zu dem Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer gesetzlich in einer Höhe von derzeit mindestens 1.000.000 € verpflichtet sind.

Vertretung der Belange des Berufsstandes gegenüber der Öffentlichkeit

Als Vertretung aller Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer in Deutschland vertritt die Wirtschaftsprüferkammer deren berufsbezogene Belange gegenüber der Öffentlichkeit und bringt sie dem Gesetzgeber, den zuständigen Gerichten und sonstigen Behörden gegenüber zum Ausdruck. So erwartet etwa der Gesetzgeber fundierte Stellungnahmen zu berufspolitischen und fachlichen Fragen; Behörden oder Gerichte sehen in der Berufskammer den Ansprechpartner für gutachtliche Auskünfte; Institute und interessierte Dritte wollen Daten und Fakten aus dem Beruf erhalten.

Erteilen von Gebührenauskünften

Die Wirtschaftsprüferkammer benennt Sachverständige und erstattet selbst Gebührengutachten bei gerichtlichen Streitigkeiten und erteilt im Einzelfall ihren Mitgliedern Auskünfte zu Gebührenfragen. Im Gegensatz zu Rechtsanwälten und Steuerberatern, die jeweils auf gesetzliche Gebührenordnungen zurückgreifen können, richten sich die Gebührensätze der Berufsangehörigen, sofern sie nicht als Steuerberater im Bereich der Steuerberatung tätig werden, nach freien Vereinbarungen. Von der Möglichkeit zum Erlass einer Gebührenordnung nach § 55 WPO wurde kein Gebrauch gemacht. In schwierigen Einzelfällen hilft die Wirtschaftsprüferkammer bei Fragen der Angemessenheit von Gebühren.

Ausbildung des Berufsnachwuchses

Die Wirtschaftsprüferkammer hat die Ausbildung des Berufsnachwuchses zu fördern. Da die eigentliche Ausbildung dem Wirtschaftsprüfer/vereidigten Buchprüfer obliegt, hat die Wirtschaftsprüferkammer dafür Sorge zu tragen, dass zum einen Ausbildungsplätze für den Berufsnachwuchs in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen und zum anderen Kenntnisse vermittelt werden, die für den Zugang zum Beruf und seine ordnungsgemäße Ausübung erforderlich sind. Wegen eines ausreichenden Angebots besteht derzeit weder ein Bedarf für eigene Ausbildungsveranstaltungen noch für eine – gesetzlich vorgesehene – Regelung der Berufsausbildung durch Rechtsverordnung.

Die Wirtschaftsprüferkammer trägt sowohl durch Veröffentlichung von Stellenanzeigen im WPK Magazin als auch durch Beratung des Berufsnachwuchses dazu bei, dass interessierte Hoch- und Fachhochschulabsolventen Ausbildungsplätze bei Berufsangehörigen erhalten.

Eine wesentliche Hilfe für Examenskandidaten sind die von der Wirtschaftsprüferkammer zu Übungszwecken zur Verfügung gestellten Klausur-Themen zurückliegender Jahre.

Berufsexamen

Die Wirtschaftsprüferkammer ist seit 1. Januar 2004 für die Durchführung des Berufsexamens zuständig. Weitere Informationen finden Sie unter Examen.

Bestellung/Anerkennung neuer Mitglieder und Führung des Berufsregisters

Aufgabe der WPK ist es, Wirtschaftsprüfer sowie vereidigte Buchprüfer zu bestellen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie Buchprüfungsgesellschaften anzuerkennen und Bestellungen sowie Anerkennungen zurückzunehmen oder zu widerrufen. Die persönlichen Daten der Mitglieder werden in das Berufsregister eingetragen, das von der Wirtschaftsprüferkammer zu führen ist. Das Berufsregister ist öffentlich.

Berufsständisches Versorgungswerk

Im Jahr 1993 wurde durch Gesetz vom 6. Juli 1993 (GVBl. NW S. 481 vom 22. Juli 1993) im Land Nordrhein-Westfalen das erste berufsständische Versorgungswerk für Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer (Versorgungswerk der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer im Lande Nordrhein-Westfalen - WPV) errichtet. Mitglieder des WPV sind Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer mit beruflicher Niederlassung oder Zweigniederlassung in Nordrhein-Westfalen sowie die gesetzlichen Vertreter von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Buchprüfungsgesellschaften, die selbst nicht Wirtschaftsprüfer oder vereidigte Buchprüfer sind, wenn die Berufsgesellschaften eine Haupt- oder Zweigniederlassung in Nordrhein-Westfalen haben.

Um die berufsständische Versorgung im gesamten Bundesgebiet zu erreichen, sind Staatsverträge zwischen Nordrhein-Westfalen und den anderen Bundesländern (mit Ausnahme des Saarlandes) abgeschlossen worden. Im Saarland wurde ein gemeinsames Versorgungswerk mit dem Versorgungswerk der Steuerberater errichtet.

Benennung von Sachverständigen

Die Wirtschaftsprüferkammer benennt Berufsangehörige mit entsprechendem Fachwissen als Sachverständige gegenüber Gerichten, Behörden und interessierten Dritten. Spezialgebiete von Berufsangehörigen können über das WP Verzeichnis Online jederzeit abgerufen werden.

Arbeitsgemeinschaft für das wirtschaftliche Prüfungswesen

Zur Behandlung von Fragen des wirtschaftlichen Prüfungs- und Treuhandwesens, die gemeinsame Belange der Wirtschaft und der Berufe der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer berühren, bilden der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und die Wirtschaftsprüferkammer eine nicht rechtsfähige Arbeitsgemeinschaft für das wirtschaftliche Prüfungswesen mit gemeinsamer Geschäftsstelle.

Zusammenarbeit mit anderen Organisationen

Die Aufgaben der Wirtschaftsprüferkammer bedingen eine vielfältige Zusammenarbeit mit Personen und Institutionen, die im Bereich des Berufsstandes tätig sind. Die Kammer steht im ständigen Kontakt zu den Berufsverbänden der Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer. Im Einzelfall geben die Berufsorganisationen gemeinsame Stellungnahmen zu den Berufsstand betreffenden Fragen ab. Die Zusammenarbeit mit ausländischen Prüferaufsichten ist der Abschlussprüferaufsichtskommission (APAK) vorbehalten.

Neben jährlich zwei Sitzungen des Versicherungsausschusses bei der Versicherungsstelle für das wirtschaftliche Prüfungs- und Treuhandwesen finden auch regelmäßige Gespräche mit anderen Anbietern von Berufshaftpflichtversicherungen statt. Dabei stehen die Markt- und Produktentwicklung sowie der Schadensverlauf unverändert neben der Entwicklung des rechtlichen Umfeldes sowie einzelfallbezogene Fragestellungen im Mittelpunkt.

Es besteht eine regelmäßige Zusammenarbeit mit den durch die Parallelität der Berufsordnungen verwandten rechts- und steuerberatenden Berufen. Mit der Gesamtheit der Freien Berufe findet ein reger Austausch im Bundesverband der Freien Berufe (BFB) statt.

Die Wirtschaftsprüferkammer ist Mitglied im Weltberufsverband der Accountants, der International Federation of Accountants (IFAC).

teaser-icon

Neu auf WPK.de

teaser-icon

WP/vBP Verzeichnis

teaser-icon

WPK Magazin

teaser-icon

Service Center

Wichtige Downloads

  • Wirtschaftsprüferordnung (WPO) (PDF 212 KB)

  • Berufssatzung für Wirtschaftsprüfer/vereidigte Buchprüfer (BS WP/vBP) (PDF 311 KB)

  • Die Wirtschaftsprüferkammer (PDF 2.4 MB)

  • 50 Jahre Wirtschaftsprüferkammer - Berufliche Selbstverwaltung im öffentlichen Interesse (PDF 10.1 MB)