Ergebnisse der Honorarumfrage 2015 der WPK

Die WPK hat im Jahr 2015 erneut alle selbstständig tätigen Mitglieder und alle Berufsgesellschaften zur Honorarsituation befragt.

Grundlagen

  • 1.004 der 12.939 versandten Fragebogen wurden verwertbar beantwortet, was formal betrachtet 7,8 %[1]  des angesprochenen Mitgliederbestandes entspricht. Der effektive Rücklauf ist größer[2].
  • Die Teilnahme der Mitglieder ist weiterhin rückläufig (Honorarumfrage 2006/2007: 10,9 %; 2010/2011:  8,5 %).
  • 76,8 % der Antworten stammen von Praxen bis zu 10 Mitarbeitern, 75,5 % aller Antworten von Praxen bis zu einem Jahresumsatz von 1,2 Mio. Euro. Die Ergebnisse der Umfrage dürften daher unverändert nur für kleinere und mittlere Praxen aussagekräftig sein.
  • Bei den abgefragten Stundensätzen wurde aus den angegebenen Beträgen der auf volle Eurobeträge gerundete Mittelwert gebildet, wobei die höchsten und niedrigsten 5 % aller Werte bei der Auswertung nicht berücksichtigt wurden[3].

Ergebnisse

1. Anteil der Tätigkeiten am Gesamtumsatz

Umsätze aus Pflichtprüfungen (24,1 %) und freiwilligen Jahresabschlussprüfungen (11,3 %) machten insgesamt 35,4 % des Gesamtumsatzes der WP/vBP-Praxen aus.

Im Übrigen ergab sich folgende Verteilung:

  • Steuerberatung: 42,4 %
  • Wirtschaftliche Beratung: 10,6 %
  • Erstattung von Gutachten: 3,2 %
  • Sonstige Tätigkeiten: 8,4 %.

2. Abrechnungsgrundlage für Prüfungen

a) Zeithonorar

43,1 % des Prüfungsumsatzes wurden auf der Basis von Zeithonoraren vereinnahmt.

b) Pauschalhonorar

50,5 % des Prüfungsumsatzes wurden als Pauschalhonorar abgerechnet. In 92,9 % der Fälle wurde das Pauschalhonorar wie vereinbart abgerechnet; in 5,3 % der Fälle wurde von der sogenannten Escape-Klausel Gebrauch gemacht. Abgefragt wurden insoweit Fälle, in denen eine Vergütung abgerechnet wurde, die das ursprünglich vereinbarte Pauschalhonorar um mindestens 10 % überstieg. In 1,8 % der Fälle wurde das ursprünglich vereinbarte Pauschalhonorar um mindestens 10 % unterschritten.

c) Wertgebühr

6,4 % des Prüfungsumsatzes wurden auf der Basis von vereinbarten Wertgebühren vereinnahmt. Nachdem diesbezüglich in den vergangenen Jahren ein rückläufiger Trend erkennbar war, hat sich der Anteil des auf der Basis von Wertgebühren berechneten Prüfungsumsatzes im Ergebnis der Honorarumfrage 2010/2011 wieder leicht erhöht und stagniert nach dem Ergebnis der Honorarumfrage 2015 auf diesem Niveau.

3. Abrechnungsgrundlage für Steuerberatung

Die Abrechnungsgrundlage für Steuerberatung wurde ausschließlich bei Mitgliedern abgefragt, die nicht gleichzeitig als Steuerberater bestellt oder als Steuerberatungsgesellschaft anerkannt sind.

a) Abrechnung in entsprechender Anwendung der Steuerberatervergütungsverordnung

70,4 % der „Nur“-WP/vBP beziehungsweise „Nur“-WPG/BPG, die zu diesem Punkt Angaben gemacht haben, rechnen Steuerberatungsleistungen überwiegend in entsprechender Anwendung der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) ab.

b) Abrechnung unabhängig von der Steuerberatergebührenverordnung nach Zeitaufwand

22,3 % der Antwortenden zu diesem Punkt gaben an, Steuerberatungsleistungen überwiegend unabhängig von der StBVV nach dem entstehenden Zeitaufwand abzurechnen.

c) Vereinbarung von Pauschal- und Erfolgshonoraren

7,2 % der Antwortenden zu diesem Punkt gaben an, im Bereich der Steuerberatung überwiegend Pauschalhonorare zu vereinbaren.

1,7 % vereinbaren im Bereich der Steuerrechtshilfe auch Erfolgshonorare (§ 55a WPO), was einen rückläufigen Trend erkennen lässt (2010/2011: 3,2 %).

4. Abrechnungsgrundlage für allgemeine wirtschaftliche Beratung

a) Abrechnung nach Zeitaufwand

Die allgemeine wirtschaftliche Beratung wird von 93,5 % der Teilnehmer, die zu diesem Punkt Angaben gemacht haben, überwiegend nach dem entstehenden Zeitaufwand abgerechnet.

b) Vereinbarung von Pauschal- und Erfolgshonoraren

6,5 % der Antwortenden zu diesem Punkt gaben an, im Bereich der allgemeinen betriebswirtschaftlichen Beratung überwiegend Pauschalhonorare zu vereinbaren.

1,3 % vereinbaren im Bereich der allgemeinen betriebswirtschaftlichen Beratung auch Erfolgshonorare (Bereichsausnahme in § 55 Abs. 1 Satz 1 WPO für Tätigkeiten nach § 2 Abs. 3 Nr. 2 WPO). Damit ist auch diesbezüglich ein rückläufiger Trend erkennbar (2010/2011: 2,9 %).

5. Höhe der Stundensätze

Es wurde durchgängig danach unterschieden, ob die Leistungen der Praxis gegenüber den Mandanten nach einheitlichen Stundensätzen (unabhängig von der Qualifikation des Leistungserbringers) oder nach differenzierten Stundensätzen (abhängig von der Qualifikation des Leistungserbringers) abgerechnet werden.

Für nach Qualifikationsgraden differenzierte Stundensätze bei Prüfungen wurden zusätzlich die nachfolgend dargestellten Honorargruppen abgefragt:

  • WP/vBP als Praxisinhaber, Sozius, gesetzlicher Vertreter oder Partner (Gruppe 1)
  • WP/vBP, soweit bisher nicht erfasst und erfahrene Prüfer ohne WP/vBP-Qualifikation (Gruppe 2)
  • Sonstige Prüfer und Assistenten mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung (Gruppe 3)
  • Sonstige Prüfer und Assistenten mit weniger als zwei Jahren Berufserfahrung (Gruppe 4).

Bei den Stundensätzen ergeben sich erfahrungsgemäß erhebliche Bandbreiten, sodass jeweils ein unterer sowie ein oberer Wert (ohne Umsatzsteuer) abgefragt wurden.

Im Einzelnen ergab sich folgendes Bild:

a) Stundensätze bei Prüfungen
(in Klammern: Ergebnisse der Honorarumfrage 2010/2011)

unterer Wert [€]oberer Wert [€]
Einheitliche Stundensätze (37,1 % der zu a) erfassten Antworten) 115,00 (115,00) 167,00 (154,00)
Nach Qualifikationsgraden differenzierte Stundensätze
(62,9 % der zu a) erfassten Antworten)
Gruppe 1148,00 (143,00)186,00 (180,00)
Gruppe 2120,00 (115,00)149,00 (143,00)
Gruppe 389,00 (85,00)110,00 (107,00)
Gruppe 473,00 (71,00)89,00 (87,00)

b) Stundensätze bei Steuerberatung durch „Nur“-WP/vBP bzw. „Nur“-WPG/BPG, die nicht entsprechend StBVV abrechnen
(in Klammern: Ergebnisse der Honorarumfrage 2010/2011 – in Zeile 2 hierzu keine Angaben, da entsprechende Werte 2010/2011 nicht abgefragt wurden)

unterer Wert [€]oberer Wert [€]
Einheitliche Stundensätze (28,9 % der zu b) erfassten Antworten)117,00 (109,00)164,00 (144,00)
Nach Qualifikationsgraden differenzierte Stundensätze
(71,1 % der zu b) erfassten Antworten)
Durchschnittlicher Stundensatz95,00165,00

c) Stundensätze bei allgemeiner wirtschaftlicher Beratung
(in Klammern: Ergebnisse der Honorarumfrage 2010/2011 – in Zeile 2 hierzu keine Angaben, da entsprechende Werte 2010/2011 nicht abgefragt wurden)

unterer Wert [€]oberer Wert [€]
Einheitliche Stundensätze (35,8 % der zu c) erfassten Antworten)120,00 (114,00)165,00 (156,00)
Nach Qualifikationsgraden differenzierte Stundensätze
(64,2 % der zu c) erfassten Antworten)
Durchschnittlicher Stundensatz104,00179,00

6. Kosten des Einsatzes nichtfachlichen Personals

76,3 % der Teilnehmer, die zu diesem Punkt Angaben gemacht haben, kalkulieren die Kosten für den Einsatz nichtfachlichen Personals in die Stundensätze ein. Die verbleibenden 23,7 % gaben an, die Kosten für den Einsatz nichtfachlichen Personals gesondert abzurechnen.

7. Honorare für die Pflichtprüfung kommunaler Eigenbetriebe

Nach den Umfrageergebnissen bietet die Mehrheit der zu diesem Punkt antwortenden Berufsangehörigen im Bereich der Pflichtprüfung kommunaler Eigenbetriebe überwiegend Pauschalhonorare an. Bezogen auf die einzelnen Bundesländer reicht die Bandbreite insoweit von 63,6 % bis 100 %. Im verbleibenden Bereich (0 % bis 36,4 %) wurde angegeben, überwiegend Zeithonorare anzubieten.

Für die Stundensätze, zu denen die Pflichtprüfung kommunaler Eigenbetriebe in den einzelnen Bundesländern angeboten wird, wurde eine Bandbreite von 92,00 € (94,00 €) bis 126,00 € (152,00 €) ermittelt (in Klammern: Ergebnis der Honorarumfrage 2010/2011). Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte, die in Abhängigkeit vom Einsatz unterschiedlich qualifizierter Mitarbeiter bei der Prüfung kalkuliert und (bei Zeithonoraren) abgerechnet werden.

8. Erstattung von gerichtlichen Gutachten

12,4 % der teilnehmenden Mitglieder gaben an, gerichtliche Gutachten zu erstatten. Die Vergütung der Gutachtertätigkeit erfolgte zu 52,2 % nach den Stundensätzen gemäß § 9 Abs. 1 JVEG.

47,8 % der Gutachten wurden auf der Grundlage einer abweichenden Honorarvereinbarung gemäß § 13 JVEG abgerechnet. Für den im Regelfall vereinbarten Stundensatz wurde eine Bandbreite von 136,00 € (131,00 €) bis 175,00 € (175,00 €) ermittelt (in Klammern: Ergebnisse der Honorarumfrage 2010/2011).

9. Qualitätskontrolle

Für die Durchführung einer Qualitätskontrolle nach § 57a WPO wurde ein durchschnittlicher Stundensatz in Höhe von 153,00 € (148,00 €) ermittelt (in Klammern: Ergebnis der Honorarumfrage 2010/2011).

Fußnoten

  1. Sämtliche Prozentangaben wurden auf eine Stelle hinter dem Komma gerundet.
  2. Für den Fall, dass die Mitglieder mit einem oder mehreren Berufsangehörigen in einer Sozietät verbunden sind, wurden sie gebeten, für jeden Standort der Sozietät nur einen Fragebogen auszufüllen. Bei rund 1.300 registrierten Sozietäten, in denen rund 1.850 WP/vBP als Gesellschafter tätig sind, liegt der effektive Rücklauf daher höher als 7,8 %.
  3. „5 % getrimmtes Mittel“. Dieses „Trimmen“ entspricht der gängigen Methodik der empirischen Forschung.
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Wichtige Downloads

  • Berufssatzung für Wirtschaftsprüfer/ vereidigte Buchprüfer (BS WP/vBP) (PDF 312 KB)

  • Satzung für Qualitätskontrolle (PDF 175 KB)

  • Merkblatt „Sechs Schritte zur Nutzung der Vollmachtsdatenbank“ (PDF 548 KB)

  • Irrtümer rund um die Vollmachtsdatenbank (PDF 243 KB)

  • Wirtschaftsprüferordnung (WPO) (PDF 393 KB)