Honorare bei der Prüfung kommunaler Eigenbetriebe

Die Honorare für die Prüfungen kommunaler Eigenbetriebe sind wesentlich durch die schwierige Haushaltslage der öffentlichen Hand geprägt und eher im unteren Bereich angemessener Honorare angesiedelt. Dass die öffentliche Hand kein gesteigertes Interesse an einer Erhöhung hat, ist nachzuvollziehen. Auch in der Privatwirtschaft gibt es die Tendenzen, über Ausschreibungen oder andere Wege die Honorare zu drücken. Auf der anderen Seite setzen Niedrighonorare oder gar Dumpinghonorare Qualitätsrisiken, die auch aus Sicht der Auftraggeber nicht sein dürfen. Auskömmliche Honorare für gesetzliche Prüfungen und auch für gesetzliche Prüfungen im öffentlichen Bereich sind daher zwingend. Sind sie nicht gewährleistet, muss der Berufsstand einen Warnhinweis geben.

Honorarsituation

Die WPK hat im Jahr 2015 erneut alle selbstständig tätigen Mitglieder und alle Berufsgesellschaften zur Honorarsituation befragt. Die Ergebnisse sind im Bereich „Mitglieder > Praxishinweise > Honorarumfrage der WPK“ veröffentlicht.

Honorarvergleiche sind nur auf der Basis von Zeithonoraren möglich. Daher bat die WPK im Rahmen der Umfrage zu den Honoraren für die Pflichtprüfung kommunaler Eigenbetriebe, Pauschalhonorare in Zeithonorare umzurechnen. Bekanntermaßen wird im öffentlichen Bereich überwiegend mit Pauschalhonoraren gearbeitet, die sich aber mangels Kenntnis der Mengengerüste nicht für Honorarvergleiche eignen.

Für die Stundensätze, zu denen die Pflichtprüfung kommunaler Eigenbetriebe in den einzelnen Bundesländern angeboten wird, wurde auf dieser Basis eine Bandbreite von 92 Euro bis 126 Euro ermittelt. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte (!), die in Abhängigkeit vom Einsatz unterschiedlich qualifizierter Mitarbeiter bei der Prüfung kalkuliert werden.

Die Bandbreite der Zeithonorare für die Prüfung kommunaler Eigenbetriebe liegt damit deutlich unter der Bandbreite der Honorare für die gesetzlichen Abschlussprüfungen im Übrigen. Soweit dort einheitliche Stundensätze zugrunde gelegt oder kalkuliert werden, beträgt die Bandbreite zwischen 115 Euro und 154 Euro. Diese Stundensätze sind damit zwischen 25 % im unteren Bereich und 22 % im oberen Bereich höher als bei der Prüfung kommunaler Eigenbetriebe.

Dieser Unterschied ist noch deutlich höher, wenn man speziell die Stundensätze für WP/vBP vergleicht. Wir fragten diese für die Prüfungen kommunaler Eigenbetriebe nicht ab, zum Vergleich können jedoch die vom Landesrechnungshof Mecklenburg-Vorpommern derzeit „gewährten“ Stundensätze herangezogen werden. Diese liegen für WP bei 95 Euro. Die Umfrage für die Prüfungen im Übrigen ergab eine Bandbreite für WP zwischen 148 Euro und 186 Euro. Der Mittelwert hieraus von 167 Euro liegt also rd. 75 % über dem Stundensatz für einen WP bei der Prüfung kommunaler Eigenbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern.

Honorarentwicklung

Die Honorarentwicklung ist mangels Gebührenordnung dem Markt überlassen. Das Problem im öffentlich-rechtlichen Bereich besteht darin, dass die öffentliche Hand die Marktentwicklung steuern möchte. So gibt es in Mecklenburg-Vorpommern ein sogenanntes Grundlagenwerk, in dem den Unternehmern und Abschlussprüfern neben abschlussrelevanten und prüfungsrelevanten Vorgaben auch die Honorarbedingungen vorgegeben werden.

Bezogen auf die Honorarvorgaben gibt es insoweit eine Historie.[1] Bis einschließlich 2006 wurde die Pflichtprüfung kommunaler Eigenbetriebe überwiegend auf der Basis von Stundensätzen abgerechnet, die von den Innenministerien der Länder für die nachgeordneten Behörden vorgegeben wurden. Die noch für 2006 vorgegebenen Stundensätze betrugen für WP 90,90 Euro, für vBP, RA, StB und andere erfahrene Prüfer 70,20 Euro sowie für Prüfer und Prüfungsassistenten mit anderer Qualifikation 53,35 Euro.[2]

Die WPK war in die jeweils nur geringfügigen, aber immerhin jährlichen Erhöhungen eingebunden und nicht selten auch der Motor für Anpassungen. Die WPK kündigte ihre Mitwirkung am Ende aber auf, da die öffentliche Hand zunehmend Festpreisangebote erwartete, bei denen Stundensätze nur noch Orientierungscharakter hatten. Hinzu kam, dass die öffentliche Hand zunehmend den Eindruck vermittelte, aufgrund der Abstimmung mit der WPK seien die Gebührenvorstellungen quasi amtlich und mit einer Gebührenordnung vergleichbar. Nach Erkenntnis der WPK wurde einzig im Land Mecklenburg-Vorpommern auch über 2006 hinaus die besagten Stundensätze verwendet und letztmalig für die Jahresabschlussprüfungen 2011 aktualisiert.

Die WPK hatte sich aus gutem Grund von dieser Praxis verabschiedet. Die positive Entwicklung der Honorare in manchen Bundesländern bestätigt dies. Insgesamt müssen die Berufsorganisationen, aber auch der einzelne Abschlussprüfer weitere Überzeugungsarbeit leisten. Die öffentliche Hand muss auch in anderen Bereichen für Leistungen und Anlagevermögen die allgemeinen Marktpreise zahlen und kann nicht per se einen Sonderstatus einfordern.

Honorarentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern

Die Stundensätze wurden in Mecklenburg-Vorpommern durch den dortigen Landesrechnungshof letztmalig für die Jahresabschlussprüfungen 2011 ff. erhöht. Neben dem schon erwähnten Stundensatz für WP von 95 Euro sind Stundensätze für die Gruppe der vBP, RA, StB und andere erfahrene Prüfer mit 74 Euro vorgesehen sowie für Prüfer und Prüfungsassistenten mit anderer Qualifikation von 56 Euro. Auch aus Sicht des Rechnungshofs ist mittlerweile eine Gebührenerhöhung erforderlich. Er stellt sich jedoch eine Erhöhung von nur wenigen Prozentpunkten vor, kolportiert werden 6 %.

Sowohl die Wirtschaftsprüferkammer als auch das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e. V. haben in mehreren Eingaben deutlich gemacht, dass eine grundlegende Überprüfung des Systems nebst entsprechend deutlicher Gebührenanpassungen erforderlich sind. Beide Organisationen kommen zu dem Ergebnis, dass die Gebührenanpassungen rd. 30 % betragen müssen.

Wären die für 2006 von der öffentlichen Hand akzeptierten Honorare nach dem damaligen System[3] fortgeschrieben worden, ergäben sich für 2015 Stundensätze von rd. 108 Euro für WP sowie von rd. 83 Euro und 63 Euro für die Stufen 2 und 3. Dies bedeutete eine Steigerung der Stundensätze im Durchschnitt für alle drei Gruppen von rd. 18,5 % gegenüber 2006. Bezogen auf die derzeitige Basis in Mecklenburg-Vorpommern (2011) müssten die dort noch geltenden Stundensätze um rd. 13 % erhöht werden.

Die Forderung von WPK und IDW, dass die Gebührenanpassungen rd. 30 % betragen müssen, ist nach alledem an der Marktsituation ausgerichtet. Überlegungen in Mecklenburg-Vorpommern, eine einstellige Gebührenanpassung zu konzedieren, sind indiskutabel. Ein Stufenplan, die Honorare im Jahresrhythmus an marktübliche Honorare anzupassen, wäre das Mindeste.

Die Stellungnahme der WPK vom 24. Juli 2015 und die Stellungnahme des IDW vom 23. Juni 2014 stehen nachfolgend zur Verfügung.

Es bleibt abzuwarten, ob der Landesrechnungshof überhaupt Gebührenerhöhungen vornimmt. Im Übrigen erfordern Honorarvereinbarungen immer zwei Seiten. Die WPK hat keine Bedenken, wenn gegenüber den Unternehmen und dem Landesrechnungshof auf ihre Stellungnahme verwiesen wird.

Fußnoten

  1. Vgl. auch WPK Magazin 2/2007, Seite 7.
  2. WPK Magazin 1/2006, Seite 29.
  3. Inflationsraten, Gehaltssteigerungen im öffentlichen Dienst.

Downloads

  • Stellungnahme der WPK vom 24. Juli 2015 gegenüber dem Landesrechnungshof Mecklenburg-Vorpommern (PDF 103 KB)

  • Stellungnahme des IDW vom 23. Juni 2014 gegenüber dem Landesrechnungshof Mecklenburg-Vorpommern (PDF 154 KB)